2004

DogInstinkt
 Tierische Gedanken zum Zeitgeschehen
  

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Datum ^Meldung
05.05.03, 10:04
Mai-Wirtschaft

Endlich, endlich war die Zeit der Krankheit vorbei, die Gina ans Körbchen fesselte und nun konnte sie schon wieder Besuch empfangen. Klar, das Bein würde noch etwas brauchen, also haben wir ab jetzt eine "hinkende" Gina, doch das wird schon wieder.

Es klingelte an der Tür. Schnüffel, schnüffel, schnaps, schnaps, das war der vertraute Geruch von Bella.

"Hey, meine Gute, wieder auf dem Damm ?" lachte Bella. "Ja, zwar nicht der Kudamm in Berlin, aber immerhin. Große Sprünge werden wir ja in Zukunft sowieso nicht mehr machen können. Dafür sorgen doch unsere SPD-Grünen Putzdosen schon. Wenn die eine soziale Säuberungsaktion durchführen, kannst Du davon ausgehen, daß es gründlich gemacht wird. Rentner, Kranke, Arbeitslose, alles wird sozialverträglich abgebaut oder bei Bedarf ausgemustert. Der "Sondermüll" wird auf der schwachen Menschdeponie zwischengelagert oder endgültig zur Endauflösung freigegeben." meinte Gina.

"Mann, geht es nur noch um Politik ?" beschwerte sich Bella: "Ist ja ganz gut und schön, komme mir fast vor wie in der Kneipe. Stammtischpolitik. Jeder meckert und beschwert sich, geht`s aber darum, was zu tun, ist die heimelige Flasche Bier und der Fernseher immer noch stärker."

"Ach, warum geht`s in der Welt nicht zu wie bei uns ? Wir brauchen so wenig, ein Körbchen, eine warme Decke, etwas zu futtern und liebe Menschen, denen wir vertrauen können und die uns das Gefühl geben, wichtig zu sein. Sicher und geborgen im Schoße der Gemeinschaft." sinnierte Gina.

"Weil es keinen Gemeinsinn mehr gibt oder das, was man darunter verstehen kann. Und dabei sind doch alle Menschen auch nur ein Teil der Evolutionsgeschichte. Genau wie Tiere. Wen haben sie denn kultiviert ? Tiere und Pflanzen. Das bedeutete unabhängig zu sein von Mutter Natur. Das Feuer spendete Licht und Wärme. Tiere verrichteten die Arbeit, die Menschen nicht allein vollbringen konnten, die Saat und Hege der Pflanzen sicherte ihnen die Nahrung. Und was ist übrig geblieben ? Nichts. Kein Respekt und keine Achtung mehr vor dem Leben, weder vor dem eigenen noch vor dem anderer. Ein Leben ist ein Leben. Es lebenswert zu machen, ist die Aufgabe. Es ist die Würde des Lebens, die unantastbar ist, doch das ist auch schon vergessen !" meinte Bella.

"Mann, Du bist ja ein echter Philosoph !" staunte Gina. "Hätt`ste nicht gedacht, was ?" frohlockte Bella: "Als Bulldozzi zwar `ne Menge Muskeln, aber kein Hirn. Irrtum, Intelligenz ist keine Frage des Umfangs, sondern des Benutzens. Und selbst der Dümmste kommt mal drauf, daß Mutter Natur ihn nicht vergessen hat, sondern mit allen guten Gaben segnete, die sein Überleben sichern können. Ist nur die Frage, wann das der Mensch kapiert !"

"Bella, du überraschst mich. Das hätte ich Dir nie zugetraut." sagte Gina. "Tja, ist doch keine Frage der Rasse. Rein ist keiner. Weder Mensch noch Tier. Sie sind alle eine Mixtur aus sonst woher, doch das vergessen sie nur all zu gern. Na gut, einigen wir uns auf Homo sapiens, doch Neandertaler hat auch was in der Erblegende hinterlassen. Sind schon 2. Was da noch alles mit rumkutscht, kann ich Dir wirklich nicht sagen. Vielleicht wäre das mal eine Denkaufgabe für alle !" meinte Bella.

"Denken ist schwer !" seufzte Gina. "Tja, dann wäre es Zeit das Grundgesetz zu lesen, steht alles drin. Verbrieft und besiegelt. Wann wird das wirklich umgesetzt ?" fragte Bella: "Ich sag`s ja, Dog es stinkt !"

26.04.03, 22:13
Das Märchen von "sozialer Gerechtigkeit" neu erzählt

Es war einmal ein großes Land mit fast 80 Millionen Bürgern. Und einem Kanzler an der Spitze, für den "soziale Gerechtigkeit" keine leeren Worte, sondern gelebte Taten waren. So kam es, daß der Kanzler im Einvernehmen mit allen Bürgern des Landes, seien es nun Arbeitgeber, Gewerkschaftler oder sonst wer gewesen, das "Gesetz über den Anspruch auf Grundsicherung eines jeden Bürgers" erließ und von diesem Tage an, jeder Bürger 1000 €, egal, ob Mann, Frau oder Kind, erhielt.

Egal, ob er arbeitete oder sonst seinen Tag gestaltete. Kreativität und Ideenreichtum wurden Tür und Tor geöffnet. Der Druck, etwas machen zu müssen, um den Lebensunterhalt zu sichern, war gewichen und die Freiheit, das tun zu können, was man eigentlich schon immer wollte und nie Zeit dafür hatte, war endlich da.

Wer nun glaubt, alle lagen nur noch faul auf der Haut, irrte sich gewaltig. Denn "Arbeit" ist ein Bedürfnis des Menschen. Etwas zu tun und mit anderen Kontakte zu pflegen, ist die natürlichste Form und Grundlage jeder Gemeinschaft. Der Respekt des Einzelnen vor dem anderen und der Gemeinsinn für das Wohl des Einzelnen und der Gesamtheit bekamen andere Dimensionen. Denn nur, wenn der Einzelne etwas für die Gemeinschaft tut, kann die Gemeinschaft für seine Existenz garantieren.

Welche Argumente gibt es, die eine Grundsicherung nicht gelten lassen wollen ?

Die Realität sieht anders aus. Das Besitzstandsdenken und -wahren ist das oberste Gebot unserer Gemeinschaft. In einer Ellenbogengesellschaft bleibt kein Platz für Schwächere oder für solche, die ohne eigenes Zutun in Not geraten. Hauptsache, mir geht es gut. Mir kann doch nichts passieren. Ich bin der Starke.

IRRTUM ! Dir passiert es. Hier, heute und gerade jetzt. Das Märchen von der Vollbeschäftigung ist schon lange ausgeträumt. In Zukunft werden die Vollzeitjobs in großem Stil in Teilzeitjobs umgewandelt. Das spart dem Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge und gibt Dir die "Chance" mit ein paar Jobs Dich über Wasser zu halten.

Das bedeutet für Dich, weniger Ansprüche an die Sozialversicherungssysteme zu erheben und so langsam, aber sicher in die Armut abdriften zu lassen.

Egal, was Rürup, Hartz und Konsorten beschlossen und beschließen, sei es die Heraufsetzung des Rentenalters, das Absenken des Arbeitslosen-, Sozialhilfe- oder Rentenniveaus, Zuzahlungen zu Arztbesuchen, Wegfall von Kranken- und Sterbegeld etc., es wird das Problem der ungerechten Verteilung von oben nach unten nicht beseitigen.

Welches Morgen brauchen wir ? Welches Morgen können wir haben ? Die Antwort liegt in uns selbst, in unserem Leben und Handeln. Wir können gemeinsam entscheiden, wie sozial gerecht unsere Gemeinschaft sein kann. Dafür brauchen wir Stärke und Zusammenhalt.

Wer macht mit ?

Für die Zukunft ist die soziale Bombe gezündet. Und auch ein Hundt, dem sein inneres Schwein lieber ist, als alles andere, kann eine Detonation nicht verhindern. Es sei denn, er schneidet die Zündschnur ab und verzichtet auf so einiges. Dafür müssen alle inneren, parteiischen und wirtschaftlichen Schweine zu Grabe getragen werden. Wie schwer ist das ?

Der traurige Sozialexperte

18.04.03, 20:27

Geldgeier und andere Geflügelkonserven
"Ich bin mein Geld wert" - Haltbarer parlamentarischer Zynismus politischer Abgeordneter

Ei, der Daus, da glotzt der Geldgeier als blöder Parlamentarier zum Fenster raus. Uihh, und dann betonen, ob SPD, CDU/CSU, FDP, Grüne und alles was noch Farbe hat und bekennt "Ich bin mein Geld wert".

Diät ? Bedeutet im deutschen Sprachgebrauch, reduziere Deine Gier/Hunger und damit Dein Gewicht. Im parlamentarischen Sprachgebrauch bedeutet das, stille Deine/n unersättliche/n Gier/Hunger, friß Dich voll und verleihe Deiner Stimme fettes Gewicht. Damit alle Politiker ihre Speckschwarten zusammendrücken und den
dicken Daumen für ihre "Diäterhöhungen" um mindestens 45 %, so geschehen in Schleswig-Holstein, überhaupt noch, wenn auch schwer, zur Abstimmung in die Höhe kriegen. Da ist Sachsen mit 8 % noch vergleichsweise als "niedlich" anzusehen.

War da noch was ? Ach ja, die Legebatterie der Bürgerhühner funktioniert Gott sei Dank reibungslos. Die Bürger sind es, die die "goldenen" Eier legen und dafür mit Billigst-Sozialleistungen gefüttert werden. Was für ein REKORD ! Da kann selbst jeder hartgesottene Wirtschaftsexperte noch was lernen.

"Ha, ich bin mein Geld wert", jawohl, das kann jeder Bürger mit Fug und Recht sagen. Und ganz genau auf Heller und Pfennig sogar schriftlich nachweisen. Denn wir sind es, die unsere hart erarbeiteten Steuer-Eier "vertrauensvoll" in die Hände der politischen Geldgeier legen müssen, um sie durchzubringen. Selbst dazu sind sie wohl nicht in der Lage.

Von Anstand und moralischer Verantwortung gegenüber den Bürgern, die Politiker finanzieren, kann keine Rede mehr sein. Von Frechheit und unmoralischer Skrupellosigkeit sehr wohl.

Wenn Politikern das eigene Hemd näher sitzt, während den Bürgern der Arsch auf Grundeis geht, wirtschaftlich und sozial, so sind diese politischen Geldgeier im Kern bereits faul und stinken. Faule Eier sind auf den Müll zu werfen und umweltgerecht zu entsorgen. Damit ihre krankhaften Gierkeime für eine nicht weitere Verbreitung der Geflügelpest sorgen. Bereits Belgien und Holland mußten Millionen von erkrankten Tieren vergasen.

Was wird mit unseren Politikern geschehen ?

Der Doktor und das liebe Vieh


08.04.03, 15:33
Rate mal mit Rosendahl !
Kanzler Schröder`s neue Strategie !

Zu welchem Typ von Arbeitslosen würden Sie sich zählen ? A. Zum arbeitswilligen Drittel ? B. Zum Drittel, die man ziehen und locken muß ? Oder C. Zum Drittel, daß man schieben muß ?

Na, ganz schön schwierige Frage ! Und genau die Einteilung, die unser Kanzler für Menschen, die keine produktiven Kapitalerzeuger, sondern soziale Kapitalvernichter sind, vornimmt. Purer Zynismus oder reale Problemabwälzung ?

Unser Kanzler wäre nicht Kanzler, wenn er nicht auch dieses in den Griff kriegen würde. Nun ratet mal, wie ?

Wenn Sie zu A. gehören, suchen Sie sich selber eine Stelle und finden die auch. Sie können nicht mehr mit raten.

Wenn Sie zu B. gehören, gibt es eine ganze Fülle an Leih- und Zeitarbeitsmöglichkeiten. Zugegeben, der durchschnittlich geringere Lohn lockt Sie nicht gerade an, die Kürzung des Arbeitslosengeldes zieht auf jeden Fall. Sie können auch nicht mehr mit raten.

Wenn Sie zu C. gehören, sind Sie kein hoffnungsloser Fall. Ihre "schieberische Mentalität" wird auch gebrochen. Spätestens dann, wenn Arbeitslosenhilfe gleich Sozialhilfe ist. Dann schieben Sie endlich Ihren faulen Arsch und kommen in die Pötte. Zum Dreck-weg-machen reicht`s allemal. Sie können auch nicht mehr mit raten.

4,7 Millionen Arbeitslose. Das hält kein Staat aus. Gott lob gibt`s den Irak-Krieg und andere Krisenherde. Nein, nicht als Kolonialmacht wollen wir uns etablieren, aber als kolossaler Schiebebahnhof. Deutsche Wertarbeit wird überall geschätzt. Also, raus mit den Arbeitslosen auf die kriegerischen Wiederaufbaustellen dieser Welt. So leisten unsere Arbeitslosen gesamtdeutsche "Schützenhilfe". Und werden wieder zu produktiven Kapitalerzeugern und ausgebeuteten, armen Schweinen.

Wie war des Rätsels Lösung ?

Der Lösungsexperte

24.03.03, 21:55
Von Christlich-demokratisch bis Caritativ-unsozial

Gruez Sie in Bayern, dem Paradies der dummen Kühe und Hornochsen.

Das Lieblings-Vorzeigeland von CDU/CSU und vor allem Edmund Stoibers. In Bayern boomt die Wirtschaft, in Bayern gibt es weniger Arbeitslose als sonst wo.

Irrtum, der Traum ist vorbei. Was ganz Deutschland erfaßt, hat längst auch Bayerns Grenzen überschritten und so ist Herr Kanzler a. D. Stoiber für Gesamtdeutschland gefordert. Zwar nicht unbedingt mit Angelas Merkels Zustimmung, doch die braucht Edmund nicht. Schließlich hat er sein ganz eigenes Credo-Papier zur Reform Deutschlands entwickelt. Mit nur einem Schönheitsfehler - es stinkt gen Himmel.

Knackpunkt - die 25 %-ige Kürzung der Sozialhilfe für Arbeitsfähige. Streichung des Zahnersatzes. Kürzung der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld. Lockerung des Kündigungsschutzes.

Hui, CDU/CSU werden nach Stoibers Willen die ultimative Hilfspartei beim sozialen Abstieg. Im Gegensatz zu Kanzler Schröder wird in Zukunft jeder Bürger seinen sozialen Status an seinen Zähnen ablesen lassen können. Die Sozialhilfe für Arbeitsfähige soll um 25 % gekürzt werden in Kombination mit Anreizen zur Billigjobaufnahme. Der Lohn dürfte etwas über dem Sozialhilfeniveau liegen. Zu wenig zum Leben, zuviel zum Sterben, aber wenigstens genug zum Arbeiten. Wer will schon leben ? Kürzung der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld - na klar, schneller sozialer Abstieg auf Sozialhilfeniveau - dann greift wieder die caritative Reiz-Kombination zur Arbeitsaufnahme - Billigjob - kurz über Sozialhilfeniveau - sozialer Aufstieg ?

Lockerung des Kündigungsschutzes - bist Du im Job Deinem Arbeitgeber zu teuer, kriegst Du halt das Kündigungsfeuer.

Langsam hat man den Eindruck, daß in Deutschland der unsoziale Wettbewerbsrun der Parteien auf die soziale Sicherungssysteme begonnen hat.

Es ist höchste Zeit, alle dummen Kühe und Hornochsen jedweder Parteicoleur auf die grüne Wiese zu schicken, um die ungeheuerlich große Anzahl stinkender, brauner Fladen zu betrachten, die eh schon hinterlassen wurden. Vielleicht regt das zum Denken an ? Für eine sozial ausgewogene und gerechte Reformpolitik ?

Gut Schiß für die Zukunft.

22.03.03, 22:05
Clever & Smart

S.: Also sag, Opa Clever, wie war das? Du wolltest doch erzählen, wie die Sozialdemokraten und DGB-Gewerkschaften immer reaktionärer und schließlich faschistisch wurden. . .

C.: Ja, aber das ist eine lange Geschichte, und jetzt ist es schon sehr spät. Das erzähl’ ich Dir morgen.

S.: Du hast es versprochen, Opa! Dann musst Du es auch tun.

C.: Na gut, kleine Smart, ein Bisschen kann ich ja erzählen, aber um Neun musst Du ins Bett, einverstanden?

S.: Ja, aber Du musst mir alles erzählen, besonders wie das mit den Linksradikalen und Anarchisten war, . . . wie das damals alles angefangen hat!

C.: Nun, kleine Smart, das war so: Stell’ Dir ein großes Schiff vor, voll mit Menschen. Aber dieses Schiff war so rostig, dass es überall kleine Löcher hatte, so viele, dass es irgendwann nicht mehr möglich war, sie alle abzudichten. Sehr langsam, aber stetig drang Wasser in das Schiff ein. Eines Tages lief das unterste Schiffsdeck voll. Die Passagiere mussten von dort auf das Oberdeck umziehen, das bald überfüllt war. Da besprach sich der Kapitän des Schiffes mit seinem I. Offizier und beauftragte diesen, das Problem irgendwie zu lösen. Der I. Offizier ordnete an, alle Rettungsboote bunt anzumalen und ihnen großartig klingende Namen zu geben, wie: ‘Weiterbildung’, ‘Arbeitsbeschaffungsmaßnahme’, ‘Integrationförderumg’, ‘Hilfe zur Arbeit’, ‘Arbeit statt Sozialhilfe’, ‘Bürgerarbeit’ und so weiter. All diese Boote schleppte man dann an langen Leinen hinter dem verrosteten Schiff her. Von denen, die auf dem Oberdeck waren, wurden nun möglichst viele in die bunten Rettungsboote hineinverfrachtet. Als der Kapitän sah, dass fast niemand mehr auf dem Oberdeck zurückgeblieben war, war er sehr zufrieden. Über die Bordlautsprecher des Schiffes hielt er eine Ansprache und sagte, es gäbe nun für niemanden mehr das Recht, auf dem Oberdeck herumzulumgern. Der I. Offizier verteilte dort Ruder und befahl allen zu rudern. Da fingen die Menschen auf den Booten an zu murren, weil diese ganze Ruderei nichts brachte, denn das Schiff wurde dadurch weder schneller noch dichter. Ärger und Unruhe breiteten sich aus.

Im Laufe der Zeit mussten immer mehr Menschen die unteren Decks räumen, weil das Schiff jeden Monat ein paar Zentimeter tiefer im Wasser versank. Da hatte der I. Ingenieur eine Idee: Er ließ Seenot-Rettungsinseln zu Wasser und wollte, dass dort möglichst alle diejenigen untergebracht würden, die an Deck und auf den bunten Booten am lautesten murrten. Indem er die Rettungsinseln pompös als Seenotrettungs-Linkskreuzer bezeichnete, ließ er seine Aktion als großherzige Tat erscheinen.

S.: Aha, Opa, ich glaube, diese Rettungsinseln waren die gewerkschaftlichen Arbeitsloseninitiativen, habe ich Recht?

C.: Genau, meine kleine Smart, Du bist ein schlaues Mädchen. Aber dazu gehörten auch andere Sozialprojekte, die vom Staat, den Kirchen und Privaten betrieben wurden.

S.: Und damit hatte der I. Offizier einen Coup gelandet, nicht wahr, Opa?!

C.: Ja, denn erstens hatte er die Unruhestifter nun abgesondert und unter Kontrolle und zweitens konnte er sich damit als Freund und Helfer der Menschen darstellen, die auf die bunten Boote abgeschoben waren. Die Besatzungen der Seenot-Rettungsinseln fischten nämlich die aus dem Wasser, die dauernd über Bord gingen und halfen ihnen zurück in die bunten Boote oder aufs Oberdeck des Schiffes. Wenn das nicht mehr ging, weil es oft zu viele waren, warfen sie ihnen Rettungsringe zu. So kam es, dass mehr und mehr Schiffbrüchige in der See trieben, irgendwann außer Sicht gerieten und elendiglich untergingen. Mit der Zeit gewöhnte man sich daran und betrachtete es als Schicksal.

S.: Und war denn da niemand, dem auffiel, wie schrecklich das alles war- all diese vielen Obdachlosen!

C.: Na ja, mein Kind, natürlich gab es viele, die Fragen stellten. Einige fragten sogar, wo denn das Schiff überhaupt hinfahren würde, und wieso man nicht einfach den nächsten Hafen anlief. Schließlich wäre es doch nicht normal, immerzu auf einem sinkenden Rostkahn über die Weltmeere zu schippern. Man solle doch Land ansteuern und auf dem Land leben, weil das nun mal die einfachste und logischste Lösung sei.

S.: Ja und? Wieso haben das nicht alle so gesagt?

C.: Nun ja, die auf den Rettungsboten und Linksinseln meinten fast alle, das wäre im Prinzip eine gute Idee, aber man könne den Kapitän und den I. Offizier nicht davon überzeugen. Denn auf dem Land wären sie ja nicht mehr Kapitän und I. Offizier. Und auch die Schiffspassagiere auf den oberen Decks würden dem niemals zustimmen. Das wären durchweg fanatische Seeleute, die lieber elendig ersaufen würden, als auf dem trockenen Land zu leben. Und wer könne schon sagen, dass man auf dem Land auch tatsächlich leben könne? Vielleicht würde es da schlimmer als auf See? Man müsse wohl erst einmal so weitermachen und abwarten, was passiert. In der Zwischenzeit könne man froh sein, dass der I. Offizier die bunten Boote und die Linksinseln zur Verfügung gestellt hätte. Die müsse man mit allen Mitteln verteidigen und für ihren weiteren Ausbau kämpfen. Wer etwas dagegen sagte, wurde übel beschimpft.

S.: Und die Linksradikalen und Anarchisten, was haben die gemacht?

C.: Die meisten von uns waren zunächst gar keine Linksradikalen und Anarchisten. Wir waren bloß Leute, die einfach und nicht so ideologisch gedacht haben, wie die bürgerliche und staatsorientierte Linke. Denn die hofften auf den Kapitän und den I. Offizier, was unserer Meinung nach Ausdruck reinster Verwirrung war.

S.: Wieso waren die denn verwirrt, Opa?

C.: Die hatten seltsame Ideen. Das verrückteste aller Vorhaben war, ein riesiges Floß zu bauen. Sie wollten all die bunten Rettungsboote und die Seenot-Rettungslinksinseln fest miteinander verbinden. Dann sollten vom Schiff weitere Materialien herangeschafft werden, um dies Floß auszubauen. Alle auf diesem Floß sollten die Pflicht auferlegt bekommen, zu rudern. Hinter diesem Vorhaben stand wohl die unklare Vorstellung, man würde irgendwann in der Lage sein, das alte Rostschiff hinter dem Floss herzuziehen, also eine Art Machtübernahme von hinten durch die Brust, quasi ganz unauffällig. Man hat es von deren Seite her jedoch entschieden abgelehnt, weiterzudenken: Vielleicht sollte es auch bloß so eine Art Florida für linke Politaktivisten werden, sozusagen eine Versorgungsversicherung. Niemand von diesen Flößern wagte es, die Rückkehr an Land zu fordern. Das wollten sie wahrscheinlich auch gar nicht, denn sie waren der Auffassung, dass fleißiges Rudern den Sinn des Lebens ausmachen würde.

S.: Den Sinn des Lebens? Aber was ist denn das, Opa, ein „Sinn des Lebens"?

C.: Das weiß ich auch nicht; es ist eine fixe Idee. Menschen suchen einen Sinn des Lebens wohl immer dann, wenn sie sehr verängstigt sind, also wenn sie durch die Gewaltsamkeit der Lebensverhältnisse lange Zeit entnervt werden. Angst ist wie Gift: In kleinen Mengen wirkt sie als Medizin, ab einer bestimmten Dosis tritt erst Lähmung, dann geistiger Verwirrung ein. Die Herrschenden haben das immer genau gewusst. Daher der permanente Terror und Druck, ohne den Unterdrückung und Ausbeutung nicht möglich sind. Und wenn wir mit diesen Staatslinken diskutierten, wurden die schnell hysterisch und ausfallend. Dann roch es nach vollen Untertanenhosen. Nee nee, schön war das nich!

S.: Waren die denn eigentlich noch normal, Opa?

C.: Doch, doch, die waren ganz normal. Die waren eben bloß panisch. Manche von uns meinten, da wäre auch Dekadenz im Spiel.

S.: Dekadenz?

C.: Dekadenz ist eine Neigung zu ideologischem Denken, bei dem alles höchst dramatisch ist: Immer müssen irgendwo unlösbare Probleme sein, furchtbare Katastrophen müssen drohen, das alles mit möglichst viel Blut, Schweiß und Tränen, mit Massenmord, Opfer und Tod. Erst danach würde es schön werden, dann aber ganz großartig: Erlösung - auf einen Schlag wird alles ganz wunderbar gut und sogar noch viel besser, als es eigentlich erlaubt ist.

S.: Ja, aber wenn das so ist Opa, dann waren die ja doch verrückt!

C.: Nein, die waren nicht verrückt. Dekadenz war damals normal. Aber das verstehst Du jetzt noch nicht. Wenn Du etwas älter bist, so etwa mit 15, kapierst Du das ganz leicht.

S.: Opa, ich glaube, jetzt spinnst Du. Wie kann denn diese Dekadenz normal gewesen sein? Und immer wenn Du etwas nicht erklären kannst, sagst Du, ich wäre zu klein. Waren denn der Kapitän, der I. Offizier und die Passagiere auf den oberen Decks dekadent?

C.: Ja, also die bestimmt, bis zum Anschlag sogar! Die waren voll durch!

S.: Aber waren denn das nicht die Herrschenden?

C.: Jetzt reicht es mir aber mit Deiner Fragerei! Nietzsche, ein berühmter Philosoph, hat gesagt: „Die moderne Form von Herrschaft ist die von Gesindel über Gesindel." Und mit Gesindel hat er dekadente Menschen gemeint.

S.: Und trotzdem, irgendwie habt Ihr es damals ja geschafft, dass wir heute auf dem Land leben können und nicht mehr auf so einem alten Rostkahn oder auf so einem albernen Floß herumfahren müssen!

C.: Ja. Als wir gefordert haben, Löhne und Gehälter nicht mehr zu besteuern und dass jeder Mensch ein ausreichend existenzsicherndes, garantiertes soziales Einkommen ohne Rudern bekommen soll. Als wir das durchgesetzt hatten, war der ganze Spuk plötzlich vorbei. Aber das erzähle ich Dir ein anderes Mal.

Böse & Schlecht

11.03.03, 10:23
von Hermann Benjes:
Das Mirakel von Guernsey

Unglaublich aber wahr: Schon 47 Jahre vor der Geburt Silvio Gesells und 117 Jahre vor Wörgl ging das mit Abstand erfolgreichste Geldexperiment der Geschichte über die Bühne.
In der freiwirtschaftlichen Literatur wird selten versäumt, auf die lehrreiche und äußerst aufschlußreiche Brakteatenzeit hinzuweisen. Im 12. Jahrhundert war es bekanntlich dem Magdeburger Erzbischof Wichmann gelungen, dem Erfahrungsschatz der Menschheit eine besonders schöne Perle hinzuzufügen.

Achthundert Jahre später ließ der Bürgermeister Michael Unterguggenberger in der österreichischen Stadt Wörgl mit einem Freigeldexperiment aufhorchen und die Fachwelt staunen. Diese Tatsachen sind uns Freiwirten bis zum Überdruß bekannt. Aber, zwischen Erzbischof Wichmann und Bürgermeister Unterguggenberger liegen sieben Jahrhunderte - eine geradezu verdächtig große Zeitspanne.

Erste Freigeldexperimente - so haben wir bisher geglaubt - nahmen in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts ihren Anfang. Diese Annahme ist falsch. Sie kann und muß ab sofort korrigiert werden! Ob Silvio Gesell, Fritz Schwarz, Karl Walker, Hans Kühn, Günter Bartsch, Hans Weitkamp oder Werner Onken, sie alle haben übersehen, daß es schon vor 180 Jahren eine Art „Wunderinsel Barataria" wirklich gegeben hat!

Not macht erfinderisch

Im Jahre 1815 (!) waren die Folgen der napoleonischen Kriege noch längst nicht überwunden. Armut machte sich breit in Europa, und besonders schlimm, ja katastrophal, traf es die englische Kanalinsel Guernsey. Vom milden Golfstrom umspült, mit fruchtbarem Boden gesegnet und klimatisch begünstigt (Guernsey bleibt vor strengen Wintern verschont) bot die Insel seit Menschengedenken ideale Voraussetzungen für Fischfang, Obst- und Gartenbau.

Die Inselbewohner galten als fleißig und tüchtig. Sie produzierten über den Eigenbedarf hinaus und hätten durch den Gemüse- und Fischexport nach England (und durch den Schmuggel mit Frankreich!) reich werden können, wenn es nicht zu diesem „unerklärlichen" Geldmangel gekommen wäre, der den Gemüseanbau schließlich zum Stillstand brachte, die Menschen zur Verzweiflung und die Insel in den Konkurs trieb. Die vom englischen Mutterland eingetriebenen Steuern und die Zinszahlungen an Londoner Banken brachten den Zahlungsverkehr zum Erliegen. 1815 hatte der Schuldendienst solche Ausmaße erreicht, daß die Zinsen durch das Steueraufkommen der Insel nicht mehr aufgebracht werden konnten.

In dieser Lage sah sich der Gouverneur von Guernsey, Daniel de Lisle Brock, nach einem rettenden Ausweg um. Es fehlten ihm 4000 Pfund, mit deren Hilfe er eine Markthalle bauen wollte, die - da war er sich ganz sicher - dem darniederliegenden Fisch-, Fleisch- und Gemüseumschlag bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit neuen Auftrieb geben würde.

Der Gouverneur ließ die gesetzgebende Versammlung der Insel zusammentreten und zählte zunächst die Probleme auf: Das Ziegelwerk von Guernsey saß auf einem großen Vorrat gebrannter Ziegel, die keiner kaufen konnte. Dem Kalk der Kalkbrennerei war ebenfalls nur mit Geld beizukommen.

Was tun, wenn das Geld fehlt?

Tüchtige Handwerker und fleißige Arbeiter ließen sich nur mit Geld aktivieren. Geld, das der Inselbevölkerung nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung stand und aus den geschilderten Gründen selbst gegen hohe Zinsen nicht mehr anzutreiben war. Eine Markthalle, rechnete der Gouverneur vor, würde für 4000 Pfund Sterling zu haben sein und sich über Mieteinnahmen innerhalb von wenigen Jahren bezahlt machen. So weit konnten die Abgeordneten ihrem Gouverneur noch folgen und zustimmen, aber dann verschlug es ihnen die Sprache:
Daniel de Lisle Brock schlug der Versammlung vor, sich diese 4000 Pfund doch einfach selber zu drucken und als Zweitwährung neben der englischen Währung frei zirkulieren zu lassen! Sei die Halle erst mal da und habe sich durch Mieteinnahmen amortisiert, würden diese 4000 Pfund Sterling so nach und nach wieder aus dem Verkehr gezogen und restlos makuliert!

Da die Menschen damals offenbar noch an Wunder glaubten und ihren Verstand beisammen hatten, leuchtete den meisten ein, daß der Traum von einer eigenen Markthalle auch mit „unschönem" Geld verwirklicht werden konnte, zumal dieses Notgeld ja anschließend auch wieder verschwinden würde. Von der ganzen Aufregung würde nur die Markthalle übrigbleiben und der Inselwirtschaft neue Impulse geben. Es gab aber auch heftige Kritik von Abgeordneten, die den Vorschlag einfach nur lächerlich, dumm, absurd, undurchführbar und vor allem gefährlich fanden.

Doch die Kritik an diesem Wagnis verstummte, als sich herausstellte, daß die Voraussagen des Gouverneurs voll eintrafen: Der Gemüseanbau kam in Schwung, und die Markthalle hatte sich nach nur fünf Jahren voll amortisiert.

Derart auf den Geschmack gekommen, wurden erneut 4000 Pfund Sterling gedruckt, um den Bau einer Straße in Auftrag geben zu können. Damals - so haben Reisende beschrieben - versank die Insel im Morast kaum noch benutzbarer Straßen. Auch die Geldscheine dieser Serie wurden nach Fertigstellung der Straße wieder aus dem Verkehr gezogen.

Überall auf der Insel wurden jetzt Projekte in Angriff genommen, die nicht länger am fehlenden Gelde scheiterten, da man inzwischen gelernt hatte, sich dieses unter bestimmten Voraussetzungen selbst zur Verfügung zu stellen und vorsichtig dosiert in Umlauf zu setzen. So wurde beispielsweise eine Geldserie gedruckt - und zwar 5000 Pfund Sterling - um eine lästige Restschuld in England tilgen zu können. Da der englische Kreditgeber natürlich nur an echten Pfund Sterling interessiert war, die Gemüseexporteure auf Guernsey aber gern das in England verdiente Geld gegen das bewährte Inselgeld tauschten, war man auch diesen Schmarotzer eines Tages los und konnte sich fortan ungeschmälert der Inselwirtschaft widmen.

Eine Geldserie nach der anderen wurde jetzt - immer projektbezogen - gedruckt und nach erfolgreicher Arbeit wieder vernichtet.
10 000 Pfund Sterling für den Bau einer Schule, 12 000 für die Sanierung von Häusern im Umfeld der immer bedeutsamer werdenden Markthalle.

Gouverneur Daniel de Lisle Brock achtete jedoch darauf, daß nie mehr als 60 000 Pfund Sterling auf der Insel gleichzeitig kursierten. Möglicherweise steht diese kluge Geldmengenbegrenzung im Zusammenhang mit der inzwischen eingetretenen Vollbeschäftigung. Oder erkannte er bereits die Gefahren der Inflation? Die erst jetzt einsetzende Forschung auf diesem jungfräulichen Gebiet der Geschichte des Geldes wird uns hoffentlich bald näheren Aufschluß geben.

Ganze Slumquartiere konnten jetzt schrittweise in Siedlungen mit hellen modernen Häusern und Wohnungen verwandelt werden. Anstatt wie bisher das teure englische Mehl zu importieren, wurden gleich mehrere Windmühlen gebaut. Weitere Schulen konnten errichtet werden. Die bei Regen kaum passierbaren Straßen auf Guernsey galten schließlich als die besten Europas! Innerhalb von zehn Jahren hatte sich Guernsey in eine blühende Insel verwandelt und geriet dadurch in das Blickfeld geldgieriger Spekulanten und Banken.

Die Gegner schlafen nicht

Obwohl es jetzt allen Inselbewohnern gut ging, gab es natürlich Leute, die von Zinsen und sonstigen arbeitsfreien Einkommen und Reichtümern träumten. Bei diesen Leuten fanden die Banken genau das, was sie suchten: Mitstreiter für einen der schäbigsten Angriffe auf die Unabhängigkeit ahnungsloser Menschen.

Das Londoner Bankhaus Finkelstein & Co. machte den Anfang und errichtete eine prachtvolle Bankfiliale auf der Insel. Kurz darauf folgte ihr die Commercial Bank. Mit großem Propagandaaufwand wurde von beiden Bankhäusern ein „besseres" Geld in Aussicht gestellt, ja sogar ein „lebendiges" Geld, das sich nicht nur ganz von allein vermehren würde, sondern vor allem auch mit einer ewigen Gültigkeit lockte. Obwohl der Gouverneur wie ein Löwe für seine Inselwährung gekämpft haben soll, fiel die vom Wohlstand wohl etwas träge gewordene Bevölkerung auf die heimtückischen Versprechungen der beiden Banken herein.

Zum Entsetzen des Gouverneurs führten die Lügen und Intrigen der Banker schließlich zu einer folgenschweren Entscheidung der gesetzgebenden Versammlung: Auf Anraten der hinterlistigen Banken wurde die umlaufende Geldmenge von 60 000 Pfund Sterling auf 40 000 Pfund Sterling reduziert. Der sofort einsetzende und spürbare Geldmangel mußte durch Bankkredite „ausgeglichen" werden! Bevor sich die Folgen und Lasten der Zinswirtschaft erkennbar auswirken konnten, hatte sich das überrumpelte Volk von Guernsey von der segensreichen Inselwährung verabschiedet und bekam anschließend die Knute des herrschenden Kapitals zu spüren.

Nachforschungen meiner skandinavischen Freunde haben u. a. ergeben, daß es seinerzeit auch zu einer verhängnisvollen Komplizenschaft zwischen den beiden Banken und den Schmugglern der Insel gekommen ist. Die zwischen Frankreich und England sehr günstig gelegene Insel war damals wie heute eine Schmugglerparadies. Die panische Angst vor drakonischen Strafen und die freundliche Zusicherung der Banken, bei Wohlverhalten im Parlament mit dem Schmuggeln ungestört fortfahren zu können, trieb die einflußreiche Zunft der Fischer und Schmuggler in die Arme des Kapitals.

1835 hatten die Banken ihr Ziel erreicht: Das Mirakel von Guernsey wurde endgültig im Zins ertränkt.

Heute gleicht die Insel einem Bankenzoo und steht im harten Wettbewerb mit den Steuerfluchtburgen Liechtenstein und Luxemburg.

Diese Informationen verdanke ich Eva Stenius (Stockholm), die Guernsey studienhalber besucht hat und mir freundlicherweise das englische Quellenmaterial zur Verfügung stellte sowie Asa Brandberg (Arsta/Schweden), deren Artikel „Mirakelekonomin pa Guernsey" ich einsehen konnte.

Literatur:
Edward Holloway: HOW GUERNSEY BEAT THE BANKERS
Theodore R. Thoren & Richard F Warner: THE TRUTH IN MONEY BOOK James Mans: HISTORY OF GUERNSEY
Wer auf eigene Faust weiterforschen möchte, dem sei u. a. ein Besuch des „Folk Museum in Saumarez Park" (Curator Derrik Eury), St. Peter Port, Guernsey, empfohlen.

Dieser Bericht ist erschienen in "DER 3.WEG" Zeitschrift für natürliche Wirtschaftsordnung im Oktober 1998 http://www.der-dritte-weg.de

27.02.03, 09:58
Zwei Buchstaben und drei Zahlen sind nicht genug
Oder Nummernschilder für Hunde in Frankfurt ? Bald bundesweit ?

Nein, nur 2 Buchstaben und 3 Zahlen als Nummernschild für Hunde geht uns Bürgern nicht weit genug. Wer kann denn heutzutage noch lesen ?

Da plädieren wir schon eher für die zwangsweise Einführung der Black Box (inklusive digitaler Bilderfassung) mit integriertem Voice-Recorder und satellitenüberwachten Navigationssystem. Außerdem ist die Schaffung einer zentralen Erfassungsstelle für Datenkot aller Art unerläßlich.

Jetzt fragen Sie sich, warum ? Ganz einfach.

Die Vorteile der Black Box liegen auf der Hand. Ein integrierter Chip in der Black Box hat alle Daten des Hundes gespeichert. Name, Rasse, Geschlecht, Halter, Anschrift, polizeiliches Führungszeugnis, Nachweis über Sachkunde, Maulkorb- und Leinenzwang, Steuernummer und Bankverbindung.

Selbstverständlich ist dieser Chip auch direkt mit der zentralen Erfassungsstelle für Datenkot aller Art verbunden und liefert direkt die Zusammensetzung des verabreichten, täglichen Futters zur vorsorglichen Beweissicherung des möglichen Straftatbestandes. Schließlich ist jeder Hund potentiell gefährdet, seine Ladung unverdächtigerweise dort zu deponieren, wo es offiziell nicht gestattet ist. Wie sonst erklären Sie sich Abfallberge um ein Schild "Müll und Schutt abladen verboten ! Zuwiderhandlung werden strafrechtlich verfolgt !"

Also, der Hund kann nicht lesen, deshalb ist der Voice-Recorder und das satellitenüberwachte Navigationssystem unerläßlich, um ihn straftatsbestandslos durch diese gefährliche Welt zu dirigieren. Der Voice-Recorder wird mit den entsprechenden Befehlen gefüttert und die Auslaufroute des Hundes per Navigationssystem klar festgelegt. Es dient zu unserer und seiner eigenen Sicherheit. Von vornherein wird ausgeschlossen, daß der Hund sich auf für ihn verbotenes Terrain begibt. Die kleinste Abweichung wird gnadenlos durch den Voice-Recorder durch stimmliche Befehlsgewalt des Halters korrigiert und in der Black Box aufgezeichnet. Abends kann sich dann der Halter mit seinem Hund das ganze nochmal im Fernseher anschauen und ihn ganz gezielt auf die Vergehen aufmerksam machen und erzieherisch auf ihn einwirken. Ist das nicht toll ? So haben wenigstens beide Spaß an gemeinsamer Freizeitgestaltung.

Halt, halt, wir sind noch nicht am Ende. Bei solch innovativen Erfindungen ist einfach die Latte der zu realisierenden Möglichkeiten unerschöpflich.

Mehr Freiheit für Halter und Hund durch Magic Black Box. Der Hund kann sich allein seinen Auslauf besorgen und ist doch nicht allein. Denn die kleine Box um den Hals kontrolliert einfach alles, zeichnet alles auf und entbindet den Hund und Halter vom Denken. Denken ? So was kann ein Hund doch gar nicht, und der Halter ?

Jedenfalls vereinfacht die Black Box das zukünftige Miteinander von Hunden und Menschen ungeheuer. Im Falle der konkreten Zuwiderhandlung des "Müllabladens" wird sofort Alarm in der zentralen Erfassungsstelle des Datenkotes ausgelöst, der Hund von den zuständigen Ordnungsorganen sofort gestellt und überführt. Die Ordnungsstrafe plus Entsorgungskosten direkt vom Konto des in der Black Box gespeicherten Halters eingezogen und alle sind zufrieden. Nur die städtische Müllabfuhr dürfte nicht so ganz glücklich darüber sein. Schließlich muß sie ihre Mitarbeiter in die Spur schicken, um die Scheiße wegzumachen. Hoffentlich haben auch sie eine Black Box, die ihnen den rechten Weg zum rechten Haufen zeigt.

Der kleine Hundescheißer

25.02.03, 13:50
Querkopf- Der etwas andere Blickwinkel
Die Alternative zur gleichgeschalteten Presselandschaft

Klatsch-Presse am Tresen läßt das Hirn verwesen

Doch am Querkopf-Lesen kann der Geist genesen

Wie das? Nun, zunächst einmal greift der Querkopf wichtige Themen auf, die in der allgemeinen Presse nur oberflächlich angesprochen werden: Armut, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit. Anders als viele Straßenzeitungen packt er diese Problematik grundsätzlich an und setzt sie in Bezug zum Gesamtzustand der Gesellschaft. In diesem Zusammenhang wird auch die allgemeine Politik kritisch aufs Korn genommen. Dabei schüttet der Querkopf seine Leser nicht mit überflüssigen Detailinformationen zu. Die Leser sollen nicht gelangweilt, sondern unterhalten werden. Statt Gähnen ist Schmunzeln angesagt.

Auf Grund seines provokativen, witzig-satirischen Schreibstils taugt der Querkopf nicht als Schlaftablette. Im Gegensatz zur bürgerlichen Presse machen wir der Pharmacie keine Konkurrenz. Ein weiterer Vorzug: Der Querkopf ist eine Monatszeitung. Rund 30 Tage Zeit hat man sich rund 20 Seiten zu Gemüte zu führen. Im Durchschnitt ist man mit 1/2 bis 2/3 Seite pro Tag dabei. Dazu genügen in der Regel max. 10 Minuten. Selbstverständlich kann die Lesezeit auch auf 15 min täglich ausgedehnt und der eine oder andere Ruhetag eingeschoben werden. Die Texte sind mit lustigen Karikaturen gewürzt. Diese behagen dem Auge mehr als der Anblick der blassen Einheitsmienen zahlreicher Amt-und Würdenträger, wie sie uns in der Tageszeitung gereicht werden.

Herausgegeben wird der Querkopf vom gleichnamigen Verein. Der Verein Querkopf hat sich zum Ziel gesetzt, die Situation von sozial Schwachen zu verbessern. Dies geschieht primär durch das Angebot des Straßenverkaufs der Zeitung. Wir versuchen auf diese Weise einen kleinen Beitrag zur Bewältigung der prekären gesellschaftlichen Gesamtlage zu leisten. Es liegt uns jedoch fern, auf der Mitleidschiene zu fahren und um Spenden zu betteln. Wir wollen Inhalte vermitteln und Alternativen aufzeigen. Die Leser sind dabei nicht nur eingeladen, sondern ausdrücklich aufgefordert, sich durch Einreichen eigener Beiträge an der Diskussion zu beteiligen. Deshalb die Bezeichnung "Mitmachzeitung".

Haben auch Sie das Bedürfnis, mal etwas Anderes zu lesen, etwas, das aufweckt, anregt und nicht einschläfert?

Dann ist ein Querkopf- Abonnement genau das Richtige!
Bei Interesse sprechen Sie uns an. Sie erreichen uns per Post Querkopf e. V., Sülzburgstr. 76, 50937 Köln, Telefon 0221-740 52 74, Fax 0221-42 84 03. eMail: Redaktion@Querkopf.de

22.02.03, 10:55
Ha, Ha, Hartz

Der Arbeitsmarkt soll auf Touren gebracht werden. Deshalb ließ Ex-VW-Aufsichtsrat Schröder einen guten Bekannten aus der Auto-Branche ran, den Ex-VW-Vorstand Peter Hartz. Hartz sollte mit seinem Konzept die Kiste der A-Klasse kleben, auf dass die Job-Maschine anfange, zu rotieren.

"Heute ist ein schöner Tag für die Arbeitslosen" kündigte der gute Peter seinen Wisch an. Dann zauberte es aus seinem Hut keine neuen Arbeitsplätze, aber allerhand Faules hervor: Die Umbenennung der Arbeitsämter in "Personal-Service-Agenturen", die staatlich geförderte Ausweitung der Leiharbeit und die sich für jedes Über-Ich versklavende "Ich-AG". Um die Betroffenen zur Teilnahme am als Lustspiel verkauften Trauerspiel anzureizen, wurden Kürzungen des Arbeitslosengeldes und die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe sogleich mit eingeplant.

Dann bat der liebe Peter ganz hartzlich die "Profis der Nation" um ihre Mithilfe: Die Politiker sollen seine Vorschläge schönreden, die Journalisten sie schönschreiben und die Priester sie schönbeten. Zum Schluss liegt es bei den Statistikern, sie schönzurechnen. Schließlich soll das Gesamtbild ein schönes sein. Großes Glockengeläut in den Gazetten der Nation. Doch der Hartzer Schimmelkäse unter der Glocke stinkt zum Himmel.

Beschlossen ist inzwischen: Leiharbeiter dürfen für ein Drittel weniger Lohn die gleiche Tätigkeit zu den gleichen Arbeitszeiten und -bedingungen verrichten, wie vor ihrer Arbeitslosigkeit. Nach 6 Wochen sollen sie den vollen Tariflohn erhalten. Vermutlich werden die meisten dann an die nächste Firma verliehen. Die Verleiher wollen schließlich ihren Reibach machen.

Damit ein "Anreiz" besteht, die schlecht bezahlte Leiharbeit anzunehmen, wird das Arbeitslosengeld gekürzt. Erst einmal auf 64% des letzten Nettogehaltes, langfristig sind 60 % zu erwarten. Die "Ich-AG" bietet eine weitere Methode, Betroffenen den Verkauf ihrer Arbeitskraft zu Billigpreisen aufzunötigen. Sie würden sich für Arbeitslose nur lohnen, wenn sie nach dem Vorbild der großen AG's jeden Fliegendreck von der Steuer absetzen könnten. Insgesamt taugt der Hartzer Käse zur Bewältigung der sozialen Krise soviel wie ein Volkswagen zur Schonung der Umwelt. Es kommen nur Abgase raus. Die Problematik wird nicht gelöst, sondern verschoben und verschleiert. Die Einkommensarmut wird entsprechend der Anzahl schlecht bezahlter Jobs anwachsen, von denen kein Schwein geschweige denn ein Mensch leben kann.

Aber das scheint die besitzenden Schichten und besserverdienenden "Profis der Nation" nicht zu interessieren. Sie machen ihre Rechnung ohne den Wirt. Der wird sie irgendwann zur Kasse bitten.

Der Kassenwart

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